Ideenwerkstatt Brüsseler Platz

Ein Freitagabend im Belgischen Viertel: Dutzende junge Menschen beginnen das Wochenende bei einem Kölsch vom Kiosk auf dem Brüsseler Platz. Was für viele verlockend klingt, schmeckt nicht jedem. Die Anwohnerschaft sieht die intensive Nutzung des öffentlichen Platzes zunehmend kritisch, klagt über Lärm und Dreck. Ende 2015 verfolgte die Stadt Köln das Ziel, die Situation rund um den Platz durch gestalterische Maßnahmen zu entschärfen. plan-lokal konzipierte und moderierte in diesem Zusammenhang eine mehrstufige Ideenwerkstatt …

Das Belgische Viertel, ein urbanes Quartier zwischen Gürtel und Kölner Innenstadt, hat sich aufgrund seiner Vielfalt und seiner kleinteiligen Nutzungsstruktur in den vergangenen drei Jahrzehnten sukzessive in ein Szeneviertel entwickelt. Im Zentrum des Viertels befindet sich der Brüsseler Platz, städtebaulich geprägt von gründerzeitlicher Wohnbebauung und der Kirche St. Gereon. Die umliegenden Gastronomiebetriebe und insbesondere die zahlreichen informellen Aufenthaltsmöglichkeiten – u. a. Sitzgelegenheiten, Hochbeete, Spielplatz – in urbaner Atmosphäre führen seit nunmehr zehn Jahren zu einer starken Nutzung des Brüsseler Platzes in den Abend- und Nachtstunden durch junge Erwachsene.

Die spätabendliche und nächtliche Nutzung des Platzes insbesondere an Wochenenden und vor Feiertagen zeugt einerseits vom urbanen Charme und der Beliebtheit des gesamten Quartiers, ist zugleich jedoch die Quelle zahlreicher Konflikte. Die unmittelbaren Anwohner klagen über Lärm und eine Missachtung der Nachtruhe, über Müll und Ordnungswidrigkeiten. Spätestens an Sonntagen blicken die Anwohner auf – im wahrsten Sinne des Wortes – schlaflose Nächte zurück. Um zwischen den Interessen von Anwohnern und Besuchern, lokalen Initiativen, Gastronomen und Gewerbetreibenden zu vermitteln, wurde im Jahr 2009 ein Moderationsverfahren initiiert, welches in der Verabschiedung des Handlungskonzeptes „Modus Vivendi“ mündete. Basierend auf ersten positiven Entwicklungen wurde plan-lokal im Frühjahr 2016 mit der Durchführung einer mehrstufigen öffentlichen Ideenwerkstatt beauftragt. Ziel war es, gemeinsam mit Anwohnern und Interessenvertretern Vorschläge für eine Umstrukturierung, Zonierung und bauliche Umgestaltung des Brüsseler Platzes zu erarbeiten, die zu einer weiteren Reduzierung der konfliktreichen Gemengelage beitragen. Im Ergebnis wurden Einzelaspekte einer Umgestaltung als Kernergebnis der Ideenwerkstatt dokumentiert. Das Verfahren leistete zudem einen wichtigen Beitrag in der anhaltenden Debatte über die (Über-)Nutzung öffentlicher Räume in der Stadt Köln. plan-lokal hat das Thema im Zuge der Ausübung eines Lehrauftrags an der TU Dortmund, Fakultät Raumplanung, im Studienjahr 2016/17 aufgegriffen. Ein Studierendenprojekt widmet sich hierbei dem Konflikt zwischen Nachtruhe und Nachtleben am Beispiel des Dortmunder Westparks.